Auszeit mit Kindern – was wir vor der Weltreise organisieren mussten

Vor der Route steht die Frage, ob es überhaupt geht. Arbeit, Wohnung, Abos, Post – über diesen Teil einer Auszeit mit Kindern schreibt fast niemand. Dabei ist er die Hürde, an der die meisten Familien hängenbleiben.
Wenn Familien uns von ihrem Traum erzählen, klingt er fast immer gleich: ein halbes Jahr Asien, die Kinder mitnehmen, endlich Zeit haben.
Und wenn wir fragen, woran es hängt, kommt fast nie «wir wissen nicht wohin». Es kommt: die Arbeit. Die Wohnung. Die Versicherungen. Die Frage, was passiert, wenn wir für ein Jahr weg sind und danach zurückkommen.
Das ist der Teil, der keine schönen Bilder liefert. Er entscheidet trotzdem, ob aus der Idee eine Reise wird.
Wir schreiben hier auf, wie es bei uns war – und wo unsere Situation deutlich günstiger war als die der meisten. Das gehört dazu, sonst wäre der Artikel eine Werbung statt einer Hilfe.
Die kurze Antwort: Eine Auszeit mit Kindern scheitert selten am Reiseteil, sondern an dem, was zu Hause bleibt. Die Reihenfolge: Beruf zuerst, weil er am längsten dauert, dann Schule, dann Wohnsituation. Der Papierkram ist an einem Wochenende erledigt — und der perfekte Zeitpunkt kündigt sich selten an.
Kurz für Familien | |
Unsere Ausgangslage | Ein auslaufender Expat-Aufenthalt – also ein ohnehin fälliger Schnitt |
Was am längsten dauerte | Die berufliche Klärung |
Was einfacher war als gedacht | Abos, Post, Erreichbarkeit |
Was wir unterschätzt haben | Wie viel Ruhe ein geklärtes Zuhause unterwegs gibt |
Unser ehrliches Fazit | Der unromantischste Teil der Planung ist der wichtigste |
Unsere Ausgangslage – und warum sie besonders war
Bis Ende 2025 haben wir drei Jahre als Expats in Österreich gelebt. Dieser Aufenthalt war befristet und lief aus.
Das bedeutet: Schule, Arbeitssituation, Wohnsituation – alles endete zum selben Zeitpunkt, ganz ohne unser Zutun. Wir mussten nichts abbrechen. Wir mussten nur entscheiden, was danach kommt.
Dazu kam etwas, das man sich nicht aussucht: Mein Arbeitgeber strukturierte um, und meine Stelle fiel in dieser Form weg. Das ist im Moment, in dem es passiert, keine gute Nachricht. Rückblickend war es der Punkt, an dem aus einer Idee ein Plan wurde – weil die Frage «kann ich das mit meiner Stelle vereinbaren» sich nicht mehr stellte.
Wir schreiben das nicht, um es zu romantisieren. Sondern weil viele Familien auf den perfekten Moment warten, und der perfekte Moment sieht selten aus wie geplant. Bei uns hat ihn eine Umstrukturierung ausgelöst.
Der richtige Zeitpunkt für eine Auszeit kündigt sich selten an. Manchmal entsteht er, weil etwas anderes endet.
Wie aus dieser Zeit später dbfam travel wurde, steht in Wie aus unserer Weltreise dbfam travel entstanden ist.
Die berufliche Frage – der grösste Block
Für die meisten Familien ist das die entscheidende Hürde, und sie hat vier gängige Wege:
Unbezahlter Urlaub. Der sauberste Weg, wenn der Arbeitgeber mitmacht. Braucht den meisten Vorlauf – zwölf Monate sind nicht zu früh.
Sabbatical-Modelle. In manchen Unternehmen und Branchen etabliert, oft mit Vorsparphase über Arbeitszeit oder Lohnanteile. Lohnt sich zu erfragen, auch wenn es nicht ausgeschrieben ist.
Kündigung mit Wiedereinstiegsplan. Der Weg mit dem meisten Risiko und der meisten Freiheit. Realistisch vor allem in Berufen mit guter Nachfrage.
Eine Situation, die sich ohnehin verändert. Auslaufender Vertrag, Umstrukturierung, Standortwechsel, Elternzeit-Ende. Bei uns war es das – und aus unserer Erfahrung ist das der häufigste Auslöser, über den am wenigsten gesprochen wird.
Was wir Familien mitgeben würden: Sprecht früh mit dem Arbeitgeber, aber sprecht mit einem konkreten Vorschlag, nicht mit einer Frage. «Ich überlege, ein Sabbatical zu machen» führt zu einem unverbindlichen Gespräch. «Ich möchte von Januar bis Dezember unbezahlten Urlaub, hier ist mein Vorschlag für die Übergabe» führt zu einer Entscheidung.
Das Zuhause – die Frage, die am meisten Ruhe bringt
Bei uns war auch das einfacher als bei den meisten. Wir besitzen ein Haus, das schon während unserer Jahre in Österreich leerstand. Nach einer kurzen Zeit des Wiederbezugs steht es nun wieder leer – und Familienangehörige schauen regelmässig nach Haus und Garten.
Für alle anderen läuft es auf drei Varianten hinaus:
Untervermieten oder zwischenvermieten. Bringt Einnahmen und hält die Wohnung warm, braucht aber Vertrauen, Absprachen mit der Vermieterschaft und Organisation.
Leerstehen lassen. Am einfachsten, am teuersten. Braucht jemanden, der regelmässig nach dem Rechten sieht – Post, Heizung, Wasser, Garten.
Auflösen. Der radikalste Weg. Spart am meisten und macht die Rückkehr am aufwendigsten.
Was wir daran unterschätzt haben: Wie viel innere Ruhe ein geklärtes Zuhause unterwegs gibt. Wer monatelang unterwegs ist und im Hinterkopf hat, dass daheim etwas ungelöst ist, reist anders.
Ein Sicherheitshinweis in eigener Sache: Schreibt online nicht öffentlich, dass eure Wohnung leersteht, und schon gar nicht wo. Wir halten uns selbst daran.
Der Papierkram – weniger, als man denkt
Dieser Block klingt nach einem Berg und ist an einem Wochenende erledigt, wenn man ihn systematisch angeht.
Post. Nachsendeauftrag oder eine Vertrauensperson, die den Briefkasten leert und Wichtiges scannt. Behörden schreiben weiterhin auf Papier.
Abos und Verträge. Fitnessstudio, Streaming, Zeitschriften, Vereinsbeiträge, Versicherungen. Wir hatten davon nach den Jahren in Österreich kaum etwas – ein Nebeneffekt des Expat-Lebens, den wir vorher nicht als Vorteil erkannt hatten. Für die meisten Familien ist das eine Liste von zwanzig bis dreissig Positionen, die man einmal durchgehen muss.
Versicherungen. Zwei Fragen: Was fällt weg, weil ihr nicht da seid? Und was muss neu dazu, weil ihr unterwegs seid? Für uns gehört ein sauber geklärter Auslandkrankenschutz zur Reiseplanung – dazu eine ehrliche Reserve für Unvorhergesehenes. Wir hatten unterwegs einen Krankenhausaufenthalt, und in so einem Moment nicht rechnen zu müssen war das Wertvollste, was diese Klärung gebracht hat. Mehr in Krank auf Weltreise mit Kindern.
Fahrzeug. Verkaufen, abmelden, einstellen. Das Abmelden ist meist billiger als gedacht und wird oft vergessen.
Bankkarten und Vollmachten. Prüft die Gültigkeit eurer Karten für den gesamten Reisezeitraum – hier gilt dasselbe wie bei den Pässen. Und klärt, wer zu Hause im Notfall handeln darf.
Erreichbarkeit – der Punkt, der unterwegs am meisten hilft
Das ist der praktischste Tipp aus diesem ganzen Artikel, und er hat uns überraschend viel Stress erspart.
Wir haben vor der Abreise ein Schweizer Mobilabo mit grosszügigem Auslandsvolumen abgeschlossen – konkret ein Yallo Black Plus, das wir zu einem Aktionspreis bekommen haben. Es deckt 49 Länder mit Daten und Telefonie ab.
Warum das so viel ausmacht: Die ersten Stunden in einem neuen Land sind die, in denen man Internet am dringendsten braucht und am wenigsten hat. Arrival Card ausfüllen, Fahrt zur Unterkunft organisieren, Adresse nachschauen, kurz melden, dass man angekommen ist. Genau dann steht man sonst in einer Ankunftshalle und sucht einen SIM-Karten-Schalter mit vier Rucksäcken und zwei müden Kindern.
Mit einem funktionierenden Abo hat man Zeit, sich in Ruhe um eine lokale Lösung zu kümmern – oder es ganz zu lassen, wenn man nur kurz bleibt.
Für Leser aus Deutschland und Österreich: Vergleichbare Angebote gibt es dort ebenfalls. Der Punkt ist nicht der Anbieter, sondern das Prinzip – ein Vertrag, der in möglichst vielen Zielländern ohne Zusatzkosten funktioniert, ist bei einer längeren Reise mehr wert als der günstigste Tarif.
Was wir heute anders machen würden
Erstens: die berufliche Klärung noch früher beginnen. Auch wenn die Entscheidung noch nicht gefallen ist – das erste Gespräch kostet nichts und schafft Klarheit über den Spielraum.
Zweitens: die Abo-Liste vollständig machen, bevor man kündigt. Wir kennen Familien, die unterwegs regelmässig kleine Beträge abgebucht bekommen haben, weil ein Vertrag durchgerutscht ist. Einmal alle Kontoauszüge der letzten zwölf Monate durchgehen – das findet alles.
Drittens: eine Vertrauensperson früh einweihen. Nicht erst eine Woche vorher fragen, ob jemand die Post holt. Wer früh eingebunden ist, denkt mit.
Viertens: einen Puffertag zwischen letztem Arbeitstag und Abflug. Der Übergang von Alltag zu Reise braucht ein paar Tage.
Damit die Kosten von Anfang an mitgeplant sind — unser kostenloser Budgetplaner:
Für wen es einfacher ist – und für wen schwieriger
Einfacher ist es bei einem ohnehin anstehenden Übergang: auslaufender Vertrag, Umzug, Jobwechsel, Ende einer Entsendung. Wenn Dinge ohnehin enden, muss man weniger abbrechen.
Einfacher ist es auch, wenn ihr wenige laufende Verpflichtungen habt – wenig Abos, kein Leasing, keine langfristigen Verträge.
Schwieriger wird es bei einer festen Anstellung ohne Sabbatical-Kultur, bei einer Mietwohnung mit strengen Untermietregeln, und wenn beide Elternteile beruflich gleichzeitig aussteigen müssen. Das ist alles lösbar, braucht aber mehr Vorlauf – und in der Regel die Bereitschaft, mindestens eine dieser Sicherheiten aufzugeben.
Fazit: Wie organisiert man eine Auszeit mit Kindern?
Eine Auszeit mit Kindern zu planen scheitert selten am Reiseteil. Sie scheitert an dem, was zu Hause bleibt.
Wenn ihr diesen Artikel als Reihenfolge lest: Beruf zuerst, weil er am längsten dauert. Dann Schule. Dann Wohnsituation. Der Papierkram kommt zum Schluss und ist an einem Wochenende erledigt.
Und wenn ihr auf den richtigen Zeitpunkt wartet: Der kündigt sich selten an. Manchmal entsteht er, weil etwas anderes endet.
Den gesamten Zeitplan davor findet ihr in Weltreise planen mit Kindern – der Countdown.
Häufige Fragen zur Auszeit mit Kindern
Wie klärt man die berufliche Auszeit am besten?
Früh — und mit einem konkreten Vorschlag statt einer vagen Frage. «Ich möchte von Januar bis Dezember unbezahlten Urlaub» führt zu einem anderen Gespräch als «ich überlege, ein Sabbatical zu machen». Vier gängige Wege: unbezahlter Urlaub, Sabbatical-Modelle, Kündigung mit Wiedereinstiegsplan — oder eine Situation, die sich ohnehin verändert. Letzteres ist der häufigste Auslöser, über den am wenigsten gesprochen wird.
Was macht man mit der Wohnung während der Reise?
Drei Varianten: untervermieten (bringt Einnahmen, braucht Vertrauen und Absprachen), leerstehen lassen (am einfachsten, am teuersten, braucht jemanden, der nach dem Rechten sieht) oder auflösen (spart am meisten, macht die Rückkehr am aufwendigsten). Und: Schreibt online nie öffentlich, dass eure Wohnung leersteht.
Wie viel Papierkram ist es wirklich?
Weniger, als man denkt — systematisch angegangen ist der Block an einem Wochenende erledigt: Post, Abos, Versicherungen, Fahrzeug, Bankkarten, Vollmachten. Unser Tipp: einmal alle Kontoauszüge der letzten zwölf Monate durchgehen, damit kein Vertrag durchrutscht.
Welche Versicherungen braucht eine Familie für die Auszeit?
Zwei Fragen klären: Was fällt weg, weil ihr nicht da seid — und was muss neu dazu, weil ihr unterwegs seid? Für uns gehört ein sauber geklärter Auslandkrankenschutz zur Reiseplanung, dazu eine ehrliche Reserve für Unvorhergesehenes. Wir hatten unterwegs einen Krankenhausaufenthalt — dann rechnen zu müssen wäre das Letzte gewesen.
Wie bleibt man unterwegs erreichbar?
Mit einem Mobilabo mit grosszügigem Auslandsvolumen, abgeschlossen vor der Abreise. Die ersten Stunden in einem neuen Land sind die, in denen man Internet am dringendsten braucht und am wenigsten hat: Arrival Card, Fahrt zur Unterkunft, kurz melden. Der Anbieter ist egal — das Prinzip zählt.
Erfahrt, wie wir Familien bei genau solchen Entscheidungen begleiten – und schaut in Ruhe, was davon zu euch passen könnte.
— Nathaniel und Fiona, mit Leroy und Louis

