100 Tage Weltreise mit Kindern durch Asien – was wir wirklich gelernt haben
- dbfam travel

- 14. Apr.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 24. Apr.
Wie fühlt sich eine Weltreise mit Kindern nach 100 Tagen wirklich an? Unsere ehrlichen Learnings, Fehler und Erfahrungen als Schweizer Familie auf Reisen durch Asien.
Am 14. April 2026 haben wir unseren 100. Tag auf Weltreise gefeiert. Nicht mit einem grossen Fest, sondern mit dem Gefühl, dass wir heute komplett anders reisen als am 5. Januar, als wir mit vier prallvollen Rucksäcken aus der Schweiz aufgebrochen sind.
Wir sind Nathaniel, Fiona, Leroy (11) und Louis (9) – eine Schweizer Familie auf Weltreise durch Asien. In den ersten 100 Tagen haben wir acht Länder bereist: Südafrika, Sri Lanka, Thailand, Laos, Vietnam, Kambodscha, Malaysia und die Philippinen. Wir haben Fehler gemacht, Routinen verändert und vor allem gelernt, was auf Reisen mit Kindern wirklich funktioniert – und was nicht.
Diesen Beitrag schreiben wir nicht als perfekten Ratgeber. Sondern als ehrlichen Einblick für Familien, die selbst von einer längeren Reise träumen oder eine Weltreise mit Kindern planen.
Kurz für Familien – unser erster grosser Reflexionsartikel | |
Reisedauer bisher | 100 Tage – acht Länder, unzählige Orte. |
Reiserhythmus | Anfangs zu schnell, später deutlich langsamer – und das war die beste Entscheidung. |
Geeignet für | Familien, die länger reisen oder davon träumen. |
Eher herausfordernd bei | Zu viel Programm, zu viel Gepäck, zu wenig Leerlauf. |
Unser ehrliches Fazit | Langsamkeit schlägt Perfektion. |
Die schönsten Momente lassen sich nicht planen
Den schönsten Moment unserer Weltreise mit Kindern? Unmöglich, ihn auf einen einzigen zu reduzieren.
Es sind die Augen von Leroy und Louis, wenn etwas sie wirklich überrascht. Louis, der im KidZania in Hanoi stundenlang in seiner eigenen kleinen Welt verschwand. Leroy, der in der Kuang Si Bucht in Laos unter einem Wasserfall schwimmt – das Wasser eiskalt, das Lachen laut. Die spontane Entscheidung in Hoi An, einen geplanten Ausflug abzusagen, damit die Jungs mit ihren neu gefundenen Freunden im Resortpool bleiben konnten.
Oder dieser Moment in Sri Lanka: Leroy durfte auf der Lagunentour das Boot unter einer Brücke hindurchsteuern. Der Guide Norman hatte ihm einfach vertraut. So ein Moment wiegt mehr als jede perfekt geplante Sehenswürdigkeit.
Die besten Momente entstehen oft genau dann, wenn man den Plan losslässt.
Der schwierigste Moment: Istanbul um 2 Uhr nachts
Unser erster Flug aus der Schweiz. Der Anschlussflug verspätet sich länger und länger. Sechs Stunden auf Flughafenbänken und auf dem Boden. Was für ein Einstieg in unsere Weltreise mit Kindern.
In dem Moment fühlte es sich katastrophal an. Leroy hatte am ersten Abend in Kapstadt bereits Heimweh und wollte nach Hause. Rückblickend war Istanbul vor allem eines: eine sehr frühe Lektion darin, dass Reisen selten nach Plan läuft.
Das Gute daran? Wir haben fast die gesamten Flug- & Mehrkosten zurückerstattet bekommen, weil wir hartnäckig geblieben sind. Und wir haben gelernt, dass die schlimmsten Momente auf Reisen im Nachhinein oft kleiner wirken als in der Nacht selbst.
Dasselbe galt später auch für den Nachtbus von Ninh Binh nach Hue, bei dem plötzlich nur drei statt vier gebuchte Liegeplätze vorhanden waren. Fiona und Louis teilten sich eine Liege. Man findet immer einen Weg.
Unser wichtigstes Learning: Weniger ist mehr
Zu Beginn unserer Reise sind wir mit einem ziemlich schweizerischen Vollprogramm gestartet: jeden Ort mitnehmen, jede Attraktion anschauen, jede Möglichkeit nutzen. Viele Familien starten genau so: mit dem Gefühl, möglichst viel aus der Reise herausholen zu müssen.
Erst nach rund eineinhalb Monaten – in Weligama, Sri Lanka – hatten wir zum ersten Mal acht Nächte an einem einzigen Ort. Surfen am Morgen. Homeschooling am Nachmittag. Spielen. Wiederholung. Und plötzlich merkten wir: Wir sind entspannter. Wir lachen mehr. Die Kinder streiten weniger.
Seitdem reisen wir anders. Wir bleiben wann immer möglich mindestens drei bis vier Nächte pro Ort, statt nur ein oder zwei. Wir planen bewusst leere Tage ein. Manchmal sogar mehrere hintereinander. Und manchmal verpassen wir dafür eine bekannte Attraktion – und genau das ist völlig okay.
Für uns ist das heute das wichtigste Prinzip jeder Reise mit Kindern: Ein solides Grundprogramm ist hilfreich. Aber sobald es überladen wird, kippt die Stimmung schnell von Vorfreude in Erschöpfung.
Die 5 Regeln, die wir heute jeder Familie mitgeben würden
– Planänderungen einkalkulieren: Busse haben Verspätung, Kinder sind müde – wer das akzeptiert, reist entspannter
– Homeschooling früh strukturieren: Routine hilft, tägliches Lernen funktioniert besser als man denkt
– Gepäck radikal reduzieren: was ihr «vielleicht» braucht, lasst ihr zuhause – was fehlt, lässt sich fast überall kaufen
– Leere Tage einplanen: nicht jeder Tag braucht ein Programm – Poolstunden und Spielen sind keine Zeitverschwendung
– Länger bleiben: mindestens 3–4 Nächte pro Ort – Kinder brauchen Zeit, um anzukommen und wirklich da zu sein
Zu viel Gepäck? Ja – wir auch
Wir sind mit zwei 55-Liter-Rucksäcken, zwei 40-Liter-Rucksäcken, zwei Tagesrucksäcken und einer Handtasche gestartet. Dazu Medikamente für jede denkbare Situation, drei Paar Schuhe pro Person, Schnorchel für die Philippinen und Spiele, die unterwegs noch dazukamen.
Die Realität? Rund 95 Prozent der Zeit tragen wir Flipflops. Die Trekkingschuhe waren bisher vielleicht zweimal im Einsatz. Und die Winterjacken, die wir für die Teeplantagen im Hochland von Sri Lanka eingepackt haben, hätten auch gemietet werden können.
Trotzdem haben wir vieles noch nicht nach Hause geschickt. Vielleicht, weil wir es dann genau in der Woche brauchen würden. Vielleicht ist das einfach Schweizer Mentalität. Vielleicht auch Elternsein.
Wer mit Kindern länger reist, nimmt fast immer zu viel mit. Und lernt unterwegs, worauf es wirklich ankommt.
Unsere Route in 100 Tagen – grob skizziert
Zur Orientierung: Wir haben die Reise in Südafrika begonnen – mit Safari in der Garden Route, Walbeobachtung bei Hermanus, Township-Besuch in Kapstadt und einem Weingut in Stellenbosch. Dann weiter nach Sri Lanka, wo wir surften, Wale beobachteten, in einem Zugabteil zweiter Klasse sassen und eine der schönsten Teeplantagen der Welt besuchten.
In Thailand erkundeten wir Bangkok und Chiang Mai – mit Kochkurs, Elefantencafé und den Sticky Waterfalls. In Laos fuhren wir zwei Tage auf dem Slowboat den Mekong entlang, erlebten das Almgiving in Luang Prabang und kajakten entlang des Flusses in Vang Vieng.
Vietnam überraschte uns am stärksten: Hanoi mit seinem Getriebe und dem Zugcafé, die atemberaubende Halong-Bucht, Ninh Binh mit den Reisfeldern und Trang An, dann Hue, Hoi An und schliesslich Ho-Chi-Minh-Stadt. In Kambodscha erlebten wir den Sonnenaufgang über Angkor Wat und die bedrückende Geschichte des Landes. Zuletzt: Kuala Lumpur und die Philippinen mit den legendären Sardinenschwärmen vor Moalboal.
Acht Länder. Etwa 100 Orte. Unzählige Momente, die wir nicht vergessen werden.
Wenn ihr sehen möchtet, wie solche Reisen konkret aussehen können, findet ihr hier unsere Beispielreisen durch Asien
Was wir anderen Familien mitgeben würden
Aus 100 Tagen Reisen mit Kindern durch Asien nehmen wir ein paar ganz konkrete Erkenntnisse mit:
Länger an einem Ort bleiben. Drei bis vier Nächte mindestens. Kinder brauchen Zeit, um anzukommen, Freunde zu finden und den Ort wirklich zu spüren.
Leere Tage einplanen. Nicht jeder Tag braucht ein Programm. Poolstunden und freies Spielen sind keine Zeitverschwendung – sie sind Erholung für die ganze Familie.
Beim Gepäck radikal kürzen. Was ihr «vielleicht» braucht, lasst ihr besser zuhause. Was fehlt, lässt sich fast überall kaufen.
Homeschooling früh organisieren. Wir haben täglich gelernt – und es hat viel besser funktioniert als erwartet. Viele Reiseerlebnisse wurden zum Unterrichtsinhalt.
Flexibel bleiben. Pläne ändern sich. Busse haben Verspätung. Kinder sind müde. Wer das akzeptieren kann, reist entspannter.
Was ihr aus diesem Artikel für eure Planung mitnehmen könnt
Dieser Artikel hilft euch, wenn ihr von einer Weltreise träumt und wissen wollt, wie es sich wirklich anfühlt. Besonders wichtig: Tempo, Erwartungen und die Bereitschaft, Pläne anzupassen.
– Einzelne Länder vertiefen: unsere Artikel zu Thailand, Laos, Vietnam, Kambodscha, Sri Lanka und Südafrika zeigen, wie es wirklich ist
– Homeschooling auf Reisen ist machbarer als gedacht – mit Routine und echten Erlebnissen als Unterrichtsinhalt
– 100 Tage zeigen: Weniger Programm macht glücklichere Familien – die besten Erinnerungen entstehen zwischen den Attraktionen
Was nach 100 Tagen Weltreise mit Kindern bleibt
Wenn wir etwas aus diesen ersten 100 Tagen mitnehmen, dann das:
Erstens: Perfekte Planung ist nicht das Ziel. Flexibilität ist wichtiger.
Zweitens: Mit Kindern ist weniger fast immer mehr.
Drittens: Die besten Momente entstehen oft genau dann, wenn man den Plan losslässt.
Wir schreiben das nicht, weil wir alles richtig gemacht haben. Sondern gerade weil wir vieles erst unterwegs gelernt haben. Und weil wir selbst vor dem Start genau solche ehrlichen Einblicke gesucht hätten.
Wenn ihr selbst von einer Reise mit Kindern durch Asien träumt, aber nicht alles allein planen möchtet, schaut euch gerne an, wie wir Familien begleiten, welche Beispielreisen möglich sind und welches Paket zu euch passen könnte.
Nicht weil alles perfekt laufen muss. Sondern weil der Weg das Ziel ist – und er am schönsten ist, wenn man ihn bewusst gemeinsam geht.
— Nathaniel & Fiona, mit Leroy und Louis, aktuell auf den Philippinen